Tagung 2013: Anerkennung

Rückblick auf die Tagung

An der schweizerischen Fachtagung in Olten „Hauptsache Anerkennung“ diskutierten über 150 Teilnehmende von verschiedenen Freiwilligenorganisationen die Frage, wie die wichtige Ressource der Freiwilligenarbeit erhalten und gefördert werden kann, damit wir auch in Zukunft auf diesen sozialpolitischen Kit unserer Gesellschaft zählen dürfen.

Professor Dr. Theo Wehner von der ETH Zürich stellte Forschungsergebnis dazu aus der Sicht der Arbeits- & Organisationspsychologie vor. Die Studien zeigen, dass für die Freiwilligen nicht Gegenleistungen und Dankesanlässe wichtig sind, sondern Faktoren wie ein guter Informationsfluss und eine wertschätzende Unterstützung durch die Einsatzorganisation. Im Gegenteil, unpassende Anerkennungsformen können bei Freiwilligen einen „milden Stress“ auslösen.

Dr. Lotti Isenring Schwander ergänzte die wissenschaftlichen Aussagen mit praxiserprobten Hinweisen. Einsatzorganisationen müssen die Aufgaben und Leistungen ihrer Freiwilligen kennen, damit sie sie anerkennen können. Es gibt keine goldene Regel, die immer passt. Freiwilligenarbeit und Freiwillige sind so unterschiedlich, wie unsere gesamte Gesellschaft es ist. Die richtige Anerkennung liegt deshalb vor allem im Erkennen, wer die freiwillig tätige Person ist und was sie leistet.

Im Spannungsfeld zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit sind in unserer Gesellschaft neue Ansätze notwendig, damit für viele Menschen Teilhabe und Engagement möglich ist. Dr. Reinhold Harringer stellte mit dem Projekt Zeitvorsorge ein Modell vor, das in St. Gallen erprobt wird. Menschen im jungen Pensionsalter erarbeiten sich ein Zeitguthaben durch Einsätze in der Begleitung und Unterstützung von alten Menschen. Wenn sie selbst später eine Unterstützung brauchen, können sie dieses Zeitguthaben einfordern.

Die wichtige Erkenntnis der vertiefenden Diskussionsrunden war, dass es im Bereich der Förderung und Anerkennung kein „best practice“ gibt, sondern nur viele gute Beispiele. Ausschlaggebend sind Offenheit, Nachdenklichkeit und die Phantasie, neue Ansätze zu prüfen.